1+2 macht 5
Armer Oscar, eines Morgens war die Nickhaut des kleinen Katers vor sein Auge gefallen, das
ist die Bindehautfalte im nasenseitigen Augenlid. Dieses deutet meist darauf
hin, dass es dem Tier nicht gut geht, und ich ahnte auch schon, dass mein
Katerchen krank sein könnte. Wir warteten noch bis zum nächsten Tag ab. Am
nächsten Morgen waren beide Augen des Tieres zur Hälfte mit der Nickhaut
überzogen. Er machte einen traurigen und kranken Eindruck und hatte auch kein
Appetit.
Ich recherchierte im www. nach möglichen Ursachen, machte aber zeitgleich einen
Tierarzttermin. Im Internet las ich von der unheilbaren Katzenkrankheit FIP,
eine Bauchfellentzündung durch eine Corona virale Art. FIP verläuft für Katzen
immer tödlich.
Es betrifft meist ganz junge Katzen im Alter von sechs Monaten oder
alte Katzen ab vierzehn. Unser Tierarzt konnte bei der Erstuntersuchung des
Katers nichts Besonderes feststellen, zweifelte meine Frage nach der tödlichen
Viruskrankheit auch nicht an. Es wurde dem kleinen Kater Blut abgenommen und
noch in der Praxis untersucht auf Katzenaids und Leukose. Die Zeit des Wartens
im Wartezimmer wollte nicht vergehen, und auch nicht die doofen Gedanken die
ich hatte. Sollte ich meinen süßen Ossi schon wieder hergeben müssen, wo doch
jetzt alles so schön geworden war?! Der mir so vertraut war, der zu mir kam,
wenn ich ihn in Gedanken rief, der uns putzte und abschleckte um uns dadurch
seine Dankbarkeit und seine tiefe Liebe zu zeigen.
Nach etwa einer Stunde, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, teilte mir der Arzt
mit, dass alle Blutergebnisse negativ waren, also wäre der Verdacht auf FIP
sehr wahrscheinlich, was bedeuten würde, dass alle unsere Katzen infiziert sein
würden, da diese fiese und hochansteckende Krankheit (für Hunde und Menschen
völlig ungefährlich) durch Körperflüssigkeiten übertragen werden, Speichel und
Ausscheidungen.
Eine erneute Blutuntersuchung auf den Verdacht dieser tödlichen
Katzenkrankheit, die in ein externes Labor geschickt werden musste, sollte
endgültige Klarheit bringen.
Die nächsten Tage waren banges Warten, hoffen und beten, dass doch noch alles
gut werden möge.
Unsere Reise hatten wir zwischenzeitlich
abgesagt, unser Katerchen brauchte uns jetzt dringender, als wir diese Auszeit.
Nach endlosen vier Tagen kam der Anruf aus der Arztpraxis. Die Labor- Ergebnisse
lagen vor, der Arzt sagte uns sie seien negativ, unser Oscar war nicht an FIP
erkrankt. Wir waren so mega glücklich, es war wunderbar, und die Nickhaut, die
bis dahin immer noch vor seinen Augen war, war am nächsten Morgen ganz
verschwunden. Der Kater war munter und hat auch wieder richtig guten Appetit
gehabt.
ZUFALL, oder nicht....Vielleicht hatte unser Oscar meine Sorge Zwecks der Reise erahnt, und hatte körperlich mit Stress reagiert. Wer weiß !?!
Unser Rudel war noch nicht vollständig. Mein Wunsch
war es, einen roten Kater, eine dreifarbige Glückskatze und einen schwarzen
Kater zu haben. Und der schwarze Kater fehlte noch....
Er gesellte sich am 17. Oktober 2008 zu uns. Er war
winzig klein, von der Mutter verstoßen, von Hand mit dem Fläschchen aufgezogen
und lt. Vorbesitzerin schon 8 Wochen alt.
Wir nannten ihn Kasimir, er war so zart und so
zerbrechlich, und von seinem Verhalten als Katzenwelpe das ganze Gegenteil von
Lilly und Oscar. Ich war verwöhnt von unseren beiden "großen" Katzen,
denn sie waren von Anfang an stubenrein, sprangen in keine Gardine, kratzten
nicht an Tapeten und Möbeln!
Kasimir war das krasse Gegenteil, er spulte das volle
Programm ab. Kasimir hatte von seiner Mama nie gelernt wie man auf`s Katzenklo
geht, da sich seine Mama nicht um ihre Katzenkinder gekümmert hatte.
Er hat uns über Nacht das ganze Wohnzimmer mit seinen
Häufchen verziert. Ich dachte am nächsten Morgen ich wäre im falschen Film.
Oscar und Lilly schlichen um mich rum, als ich auf Knien durchs Wohnzimmer
robbte, mit Putzeimer, Seifenlauge und Desinfektionsmittel bewaffnet. Das
Katerchen hätte sich auch im Flur oder in der Küche die Fliesen aussuchen
können, wäre für mich sehr viel einfacher gewesen, aber er schien gedacht zu
haben "weicher Teppich für meine zarten Pfötchen und kitzeln tuts auch
schön am Popo, hier ist es gut fürs Häufchen". Unser Teppich lag erst 8
Wochen im Wohnzimmer, war weiß und hochflorig :-(
Gleich am nächsten Tag besorgten wir uns noch
zusätzlich 3 Katzenklos, und stellten überall dort wo Kasimir Zugang hatte,
eins hin und wenn wir der Meinung waren, dass das Katzenjunge nach einem
geeigneten Plätzchen suchte, setzten wir es in eines dieser Katzentoiletten,
nahmen sein kleines Pfötchen und scharrten damit im Katzenstreu. Manchmal hat
es durch Zufall geklappt, meistens aber nicht....
Ich bin fast irre geworden, ich wusste nicht was ich
noch alles machen sollte, um dem Katerchen zu zeigen, dass man im Katzenklo
nicht schläft, sondern sein Geschäft verrichtet. Meine Unruhe und Anspannung
übertrug sich auf unsere Tier.
Und dann bekam ich unerwartete Hilfe und..
unser Kasimir wurde ein sehr reinlicher Kater !
Oscar und Lilly folgten Baby Kasimir auf Schritt und
Tritt. Ich wusste nicht, ob aus Neugier oder weil sie ihr Revier in Gefahr
sahen, ich hatte noch keine Ahnung. Die ersten spielerischen Annäherungen
begannen dann nach 2 Tagen. Lilly tat sich dabei etwas schwer, Oscar war da
mutiger, während Lilly manches aus der Ferne beobachtete, schlich Oscar dem
kleinen Kater stets hinterher, mal direkt, mal auf Abstand. Von den Katzenklos
hatten wir alle Deckel entfernt als wir sie aufstellten, damit es dem Kleinen
keine Angst machte,
weil es vielleicht zu dunkel im Klo war.
Ich beobachtete dann irgendwann, wie Oscar dem Kasimir
zum Klo folgte, sich provokativ mitten rein setzte, obwohl der kleine Kater
auch schon Richtung Katzenklo unterwegs war. Ich dachte mir "na toll
Oscar, danke, so wird das nie was, wenn du dir das Katzenklo für dich
beschlagnahmst", Herzlichen Glückwunsch!!
...doch unser Oscar hatte einen Grund für sein
handeln! Er angelte mit seiner Pfote nach dem Katzenbaby, das direkt vor dem
Klo saß. Das Katzenkind reagierte ziemlich schnell, sprang ebenfalls ins
Katzenklo und Oscar wieder raus. Oscar blieb davor sitzen, bis Kasimir sein
Geschäft erledigt hatte.
Ich war mächtig stolz auf unseren Oscar!
So ging es mit allem was ein kleiner Kater lernen
muss. Er zeigte ihm auch, dass man alles wieder schön zu kratzen musste, wenn
man aufs Klo gegangen ist. Dafür ging er gleich nach Kasi hinein und kratzte
Kasis Häufchen zu, und Kasi hat zugeschaut. Er zeigte ihm, wie man eine Beute
fängt, was man davon fressen darf und was man übrig lässt, er putzte und
säuberte ihn.
Ich empfinde für alle meine Tiere eine so tiefe Verbundenheit
und eine unendlich große Liebe und Dankbarkeit, da sie mir so viel mehr
zurückgeben als ich ihnen jemals geben kann. Und ich durfte und darf so viel
von ihnen lernen.
Unser Tierarzt sagte uns später bei der
Erstuntersuchung zur Impfung, dass das Kätzchen als wir es heim holten, kaum
älter als 5 Wochen war, das es überlebt hat sei ein Glück.
An einem Tag ging es mir mal nicht so gut, ich hatte
Bauchschmerzen und Fieber, und Schnuffelkummer. Ich lag auf dem Sofa und hatte
den Wunsch jetzt irgendwem bei mir zu haben. Ich war an diesem Tag ganz
allein und fühlte mich sooo einsam...
Ich dachte ganz intensiv an meinen Kater Oscar, ich
wünschte wenigstens er käme zu mir. Es dauerte keine zwei Minuten und Oscar
sprang zu mir aufs Sofa, er leckte mein Gesicht und meine Hände ab und
kuschelte sich an mich. Ich war glücklich und auch begeistert darüber, dass
mein Kater meine Gedanken lesen und meine Emotionen spüren konnte. Bis heute
ist diese Wellenlänge zwischen Oscar und mir geblieben. In den folgenden Tagen
bestellte ich mir diverse Bücher über Tierkommunikation, und baute dieses Thema
immer mehr aus. Ich hatte zu der Zeit wertvolle Tipps von einer damaligen guten
Bekannten erhalten mit der ich meine schamanische Ausbildung gemacht habe und
konnte auch im Laufe der Jahre mit sehr vielen Tieren sprechen, immer und
ausschließlich zum Wohle der Tiere, es war wunderschön, und sehr ergreifend.
Die Seelen der Tiere und die Tiere selbst, sind so voller Liebe, und uns an
Weisheit weit voraus.
Was unseren kleinen Kasimir betrifft, er ist ein super
sauberer Kater geworden, er folgte uns auf Schritt und Tritt und war sehr
verschmust und freundlich. Das Verhältnis zwischen Oscar und Kasimir ist
in der Zeit der Geschlechtsreife beider Kater leider in Rivalität umgeschlagen,
trotz Kastrationen beider, was wir sehr bedauerten. Es gab zum Glück keinerlei
Kämpfe und Keilereien zwischen beiden, sie standen auch nach wie vor zusammen
an den Futternäpfen ohne sich anzufauchen, dennoch gingen sie sich lieber aus
dem Weg.
King Oscar-einer wie keiner-
Wie ich schon über unseren Oscar berichtet habe, wie er mir geholfen hat unseren kleinen "Kakadu" Kasimir
zur Reinlichkeit zu erziehen und ihn in die Gepflogenheiten des Jagens und
Schleichens einzuführen, und wie man sich als Stubenkater zu benehmen hat, so gibt es noch sehr viel mehr über in zu erzählen.
Oscar hatte noch ganz andere Eigenschaften
und Fähigkeiten.
Als er erwachsen wurde, war er nicht mehr ganz so verschmust.
Wie es bei vielen Katzen manchmal so ist, bestimmen sie selbst, mit wem sie
Nähe austauschen möchten. Oscar ließ sich nur streicheln, wenn ER es
wollte. Und war ich nicht gut drauf oder stand unter Anspannung, zog er seinen
Körper unter meinen Händen zurück. Setzte ich mich vor den Sessel in dem er
gerade lag, und versuchte mich in Gedanken mit ihm zu verbinden, stand er auf
und ging ! Er war eine männliche Diva, launisch und exzentrisch.
Als Oscar erwachsen war, machte er sich bei uns sehr
rar. Wahrscheinlich weil es bei uns zu Haus zu unruhig wurde, denn es gab
schon das ein oder andere Machtgehabe unter den beiden Katern. Unsere
Bordercolliehündin Bella hat oftmals schlichten müssen, sie sprang dazwischen,
wenn sie hörte, dass sich die Katzen ankeiften und bellte dann kurz auf, sodass
die Schnurrbartträger auseinander bersteten, aber nicht ohne beim weglaufen
noch einmal lautstark zu meckern.
Der Winter hatte sich schon verabschiedet und der
Frühling hielt schon Einzug, und unser treuer Kater war nur noch sehr selten
daheim. Oscar besuchte in der Zeit unsere Nachbarn und kam höchsten 2 oder 3
mal die Woche zum futtern nach Hause. Wir wunderten uns zwar darüber, wussten
aber, dass es Oscar beim Nachbarn gut ging und waren somit zufrieden und
hinterfragten dieses auch nicht. Unser Kater ließ sich dort streicheln, er
kuschelte und er übernachtete dort auch und war zufrieden. Sein Futter holte er
sich nach wie vor zu Hause.
Nach ungefähr einem dreiviertel Jahr war Oscar wieder
häufiger daheim anzutreffen, und wir erfuhren dann warum er so lange abgängig
war...
Oscar hatte einen jungen Mann begleitet auf seinem letzten Weg. Er lag tagtäglich am Fußende seines Krankenbettes und es begann eine tiefe Freundschaft zwischen der Nachbarsfamilie und dem Kater, bis heute ist das so geblieben, Oscar ist jetzt 17 Jahre alt, und man merkt ihm sein stattliches Alter an, er ist müde geworden und ihm fällt das Atmen schwer...
zu Kap. 3

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